Sonntag, 1. Januar 2012

Mit Stock und ohne Hut

Der Wanderfreund wünscht allen ein gesundes glückliches neues Jahr. 

Mit einer neuen Rubrik >> E-Mail an den Wanderfreund << möchte ich allen eine Plattform geben, in der Ihr dem Wanderfreund von Euren Erlebnissen auf den Wanderwegen in aller Welt berichten könnt. Gerne sachlich informativ, gerne augenzwinkernd, doch Hauptsache mit Begeisterung. Interessiert? Dann sendet Euren Gastbeitrag per Mail an der-wanderfreund@web.de. Den Auftakt macht Björn Hoeftmann, der in seinem Gastbeitrag mit einer gehörigen Portion Ironie über die Bedeutung des Wanderstockes philosophiert. Viele Grüße. Der Wanderfreund.


Ramsau in Österreich, hier läßt es sich wandern

Ich gestehe: ich wandere gern. Dabei erinnere ich mich, wie ich mir bereits auf Kindesbeinen eines meiner tollsten Wandererlebnisse erwanderte - oberhalb von Ramsau im österreichischen Dachsteingebirge. Angeführt wurde jene Tour von einem Nachfahren des einst in Austria sehr bekannten Skiläufers Walcher. Und er wanderte stilsicher mit Stock und ohne Hut.

Auf diese Weise führte er uns über Schneefelder im Sommer, ziemlich steile Anstiege, zwischendurch auf über 2.000 Meter und letztlich sicher zurück ins Tal. Ich war damals davon ganz schön angetan diese Art und Weise, so angetan wie ein neunjähriger Flachland-Tiroler sich halt so beeindrucken lässt. Seitdem mache ich es wie er. Ich wandere mit Stock und ohne Hut. Hüte seien etwas für Spaziergänger rief er damals zu. Das mit einem Grinsen, welches auch von diesem Hansi Hinterseer hätte stammen können.

Was den Wanderstock im Allgemeinen angeht, bin ich im Übrigen davon überzeugt, dass für viele Wandersleute die Frage der Notwendigkeit des Gebrauchs eines Stocks nicht der Rede wert sein wird. Dennoch vermute ich, dass auch zu diesem Thema wie fast immer im Leben zwei Glaubensrichtungen existieren.

Zur ersten Gruppe gehören wohl jene kernigen Wanderer, die sämtliche Strecken  oder höchste Höhen - unabhängig jedweden Gefälles oder Gerölls – ohne Stockerl bewältigen und sich manche dieser Wanderer beim Anblick von Wandersleuten der zweiten Gruppe hämische Schmunzler nicht verkneifen können.
Die zweite Glaubensrichtung dürfte vielmehr dem Mantra „nicht ohne meinen Stock“ folgen. Ich befürchte innerhalb dieser Gruppe gar die Existenz fanatischer Wanderfantasten, die unter dem Mantel des World Wide Web in Wanderforen regelrecht die Säbel zu der Frage rasseln lassen, welches Stockerl-Modell tatsächlich die Nase vorne hat. „Das ist ja der Gipfel“, könnten sich daher manche empören, sollten sie von der Art meines Stockes erfahren.
Denn, als einmal der Kaffeeröster im Supermarkt um die Ecke zum Jahreszeitenwechsel sein Sortiment umstellte, ergatterte ich stolz und ohne prüfenden Blick auf die Verpackung einen Stock, den ich im günstigen Doppelpack erwarb. Wie ich später erfuhr, handelte es sich um Stöcker, wie sie in der für mich nebulösen Welt der Nordic Walker gebraucht werden. Sie haben einen schwarzen Schaft und sind ansonsten in silber-metallic gehalten.
Ich glaube zwar nicht, dass es puristische Wanderleute gibt, die mich und meinen Stock deshalb bei Begegnungen am Wegesrand links liegen lassen.Sollten solche Wanderpuristen existieren, dann sei Ihnen gesagt, beim sogenannten Gang über „Stock und Stein“ ließ er mich bisher noch nie hängen. Er ließ mich weder in den Alpen und im Teutoburger Wald, noch beim Waten durch Moore, tiefen Matsch oder steinige Abhänge hängen. Besonders treue Dienste erwies er mir auf einer Höhe von 1.200 Metern. 
Weit oberhalb von Rottau im Chiemgau schien ein leicht bis mittelschwerer Anstieg kurz außer Kontrolle zu geraten, als plötzlich drei aufgeregte Kühe aus dem Nebel kommend überfallartig auf mich losstürzten. Mithilfe gezielter Stöße meines zuverlässigen Stockes aus der Welt der Nordic Walker gelang es mir, dieses Trio zu einem kurzweiligen „Muuuh“ zu bringen und letztlich zu meiner Sicherheit um mich herum zu leiten. Mensch, was war ich froh, dass ich meinen Stock dabei hatte.  


Dass ich tags darauf, mein mir lieb gewonnenen Stock hingegen vergaß, will ich zum Schluss nicht unerwähnt lassen. Besagte Kühe blieben  an diesem Tag zwar Gott sei Dankauf ihrer Weide. Doch, als ich einen Weidenzaun passierte, geschah es.  Aug in Aug mit einer Herde konnte ich ein in mir aufbrausendes euphorisches Gedenken an den Vortag nicht zurückhalten und stolperte. Und mangels Stock, der entspannt am Hotelbalkon lehnte, machte ich mich näher mit dem unter mir liegendem Matsch bekannt. Mein Stock hätte mich sicher gehalten.

Mehr denn je steht seitdem für mich fest: ich wandere weiter und das mit Stock und ohne Hut. Denn, ein Hut hätte ich mir gegen ein Trio aufgeregter Kühe ohnehin nicht weiterhelfen können, oder?

Der Autor schreibt ansonsten über Fußball und das in seinem Blog >> Der LIBERO <<.

Kommentare:

  1. Hallo Thomas,

    auch für dich ein frohes, schönes und erfolgreiches Jahr mit deiner Seite.

    Nun hast du ja schon Gast Autoren die bei dir veröffentlichen. Ist ja super, dafür das deine Seite noch recht neu ist.
    Ein schöner Beitrag von Björn Hoeftmann,in der Gegend war ich mal als Kind. Lang ist´s her ;-)...

    Kann bei mir auch einen Gast Beitrag schreiben oder du auch, wenn du magst.

    Ps. Danke für deinen Kommentar bei mir. Sonntags Shopping ist im Westerwald stark im kommen, ich muss es allerdings nicht haben.

    Bis bald

    Herzliche Grüße

    Ulrike

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  2. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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